Browsen in der Augmented Reality

von Rolf Diederich — Gepostet in AR am 6. Januar 2015

Einen Internet-Browser wie Firefox oder Chrome zu benutzen, das kann mittlerweile fast jeder. Entweder wir wissen ganz genau wo wir hinwollen und steuern die Seite direkt an oder wir recherchieren mit der Suchmaschine unserer Wahl. Doch die aktuellen Entwicklungen im Bereich der Augmented Reality ermöglichen neue Anwendungen, die diese Technologie nutzen, sogenannte AR-Browser. Ich habe mich gefragt, was diese Programme leisten können und welche Chancen sich für die Zukunft bieten.

Was ist ein AR-Browser?

Alle bekannten AR-Browser, wie z.B. Layar, Wikitude oder Junaio, werden momentan als App für mobile Geräte angeboten. Dies ist auf die beiden Hauptfunktionen dieser Anwendungen zurückzuführen. Die erste Anwendungsform ist die Einbindung ortsabhängiger Daten, welche durch ein GPS Signal und das Internet abgerufen werden. Sie befinden sich beispielsweise in der Innenstadt und suchen nach Optionen für das Mittagessen. Sie scannen dann also mit Hilfe der Kamera Ihres Smartphones die Umgebung der Straße, auf der Sie sich befinden. Der Browser ruft dann Informationen zu Restaurants und Lokalen in Ihrer Nähe ab und blendet für jeden Treffer ein passendes Icon auf Ihrem Bildschirm direkt in der Umgebung ein. Wenn Sie Ihr Gerät drehen und schwenken, passt sich die Darstellung automatisch an. Die Navigation zum gewünschten Ziel fällt somit noch leichter als die herkömmliche kartenbasierte GPS Navigation. Die Anwendung ist dabei nicht nur auf die Navigation beschränkt. Im Urlaub kann der Browser beispielsweise auch Medien zu Sehenswürdigkeiten und Stadtteilen einblenden.

Die zweite große Variante der Anwendung besteht in dem Scannen eines Gegenstandes, der vor dem Nutzer liegt. Der AR-Browser „Layar“ spezialisierte sich vor allem auf die Einbindung von AR-Elementen in Zeitschriften und andere Printtitel. Wenn Sie also einen Werbeprospekt eines Autoherstellers in der Hand halten, können Sie die mit dem „Layar“-Logo versehenen Seiten scannen. Nach kurzer Zeit wird dann ein Video zum jeweiligen Automodell eingeblendet. Das klassische Printmedium wird also zum Leben erweckt. Auf ähnliche Weise werden z.B. auch Audiodateien, Animationen und weiterführende Links unterstützt. So kann man das Lehrwerk Business Pulse bereits durch den Browser Junaio um zusätzliche Lerninhalte erweitern.

AR_2

Werden die Erwartungen erfüllt?

AR-Browser befinden sich bereits seit einigen Jahren in der Entwicklung. Der große Durchbruch gelang bisher jedoch noch nicht. Dies liegt daran, dass ein großer Teil der Nutzer diese Anwendungen lediglich ausprobieren will. Die versprochenen Funktionen wecken Interesse und Neugier und viele sind zunächst von der intuitiven Bedienung und der realistischen Einbindung der Elemente begeistert, die sich tatsächlich beim Schwenken des Bildschirms mitbewegen. Eine nähere Betrachtung fällt dann jedoch eher ernüchternd aus. In Graz wurde eine Studie zum Nutzerverhalten von AR-Browsern durchgeführt[i]. Diese konnte unter anderem zeigen, dass ein großer Teil der Nutzer die Möglichkeiten der AR ohne genaues Ziel kennen lernen will. Ein Drittel nutzt den AR-Browser nicht länger als eine Woche. Dies zeigt, dass einerseits noch nicht genügend sinnvolle Anwendungsbeispiele vorliegen und andererseits, dass für die sinnvollen Anwendungen, wie z.B. „Layar“, noch nicht genügend Material vorliegt, welches diese Technologie unterstützt. Der User hat also wenig Motivation die App über einen längeren Zeitraum zu nutzen oder sogar weiter zu empfehlen.

 

Die Zukunft der AR-Browser

Momentan befinden sich AR-Browser immer noch in den Kinderschuhen. Der Anwendungsumfang fällt bisher eher bescheiden aus und die Anzahl an Produkten, die einen AR-Scan erlauben, ist noch sehr gering. Darüber hinaus kritisieren viele Nutzer, dass die Anwendungen noch zu langsam und unpräzise sind. Es finden sich auch immer Rezensionen von verärgerten Nutzern, auf deren Endgeräten die Anwendung aufgrund technischer Schwierigkeiten gar nicht funktioniert. Somit gibt es für die Entwickler sowohl qualitativ als auch inhaltlich noch große Hürden zu überwinden. Einen AR-Browser zur Navigation in der Stadt zu verwenden, klingt zunächst spannend, bringt jedoch im Vergleich zu klassischen Kartenanwendungen wie z.B. Google Maps kaum relevante Vorteile. Als Anwendung zur Erweiterung klassischer Printtitel bergen sie einiges an Potenzial. Da allerdings Zeitungen, Zeitschriften aber auch Schulbücher (siehe scook) zunehmend digitalisiert werden, könnte es den AR-Browsern in Zukunft an zu scannenden Produkten mangeln. Es wird also noch einige Zeit dauern, bis die bestehenden Unzulänglichkeiten behoben und umfangreiche und verlässliche Anwendungsformen geschaffen wurden. Vor allem eine Einbindung in die sogenannten Wearables, also AR-Endgeräte, die am Körper getragen werden, könnte den AR-Browsern den nötigen Schub verschaffen. Die Frage, wie sich eine AR-Technologie flächendeckend durchsetzen kann, bleibt somit weiterhin spannend.

Browserbeispiele: Layar, Blippar, Wikitude, Junaio und Aurasma

 

[1] http://www.icg.tu-graz.ac.at/publications/augmented-reality-browser-survey-1

(image is under cc licence; thank you to sndrv for supplying it)

Browsen in der Augmented Reality

AR

Browsen in der Augmented Reality

Einen Internet-Browser wie Firefox oder Chrome zu benutzen, das kann mittlerweile fast jeder. Entweder wir wissen ganz genau wo wir hinwollen und steuern die Seite direkt an oder wir recherchieren mit der Suchmaschine unserer Wahl. Doch die aktuellen Entwicklungen im Bereich der Augmented Reality ermöglichen neue Anwendungen, die diese Technologie nutzen, sogenannte AR-Browser. Ich habe mich gefragt, was diese Programme leisten können und welche Chancen sich für die Zukunft bieten.

Was ist ein AR-Browser?

Alle bekannten AR-Browser, wie z.B. Layar, Wikitude oder Junaio, werden momentan als App für mobile Geräte angeboten. Dies ist auf die beiden Hauptfunktionen dieser Anwendungen zurückzuführen. Die erste Anwendungsform ist die Einbindung ortsabhängiger Daten, welche durch ein GPS Signal und das Internet abgerufen werden. Sie befinden sich beispielsweise in der Innenstadt und suchen nach Optionen für das Mittagessen. Sie scannen dann also mit Hilfe der Kamera Ihres Smartphones die Umgebung der Straße, auf der Sie sich befinden. Der Browser ruft dann Informationen zu Restaurants und Lokalen in Ihrer Nähe ab und blendet für jeden Treffer ein passendes Icon auf Ihrem Bildschirm direkt in der Umgebung ein. Wenn Sie Ihr Gerät drehen und schwenken, passt sich die Darstellung automatisch an. Die Navigation zum gewünschten Ziel fällt somit noch leichter als die herkömmliche kartenbasierte GPS Navigation. Die Anwendung ist dabei nicht nur auf die Navigation beschränkt. Im Urlaub kann der Browser beispielsweise auch Medien zu Sehenswürdigkeiten und Stadtteilen einblenden.

Die zweite große Variante der Anwendung besteht in dem Scannen eines Gegenstandes, der vor dem Nutzer liegt. Der AR-Browser „Layar“ spezialisierte sich vor allem auf die Einbindung von AR-Elementen in Zeitschriften und andere Printtitel. Wenn Sie also einen Werbeprospekt eines Autoherstellers in der Hand halten, können Sie die mit dem „Layar“-Logo versehenen Seiten scannen. Nach kurzer Zeit wird dann ein Video zum jeweiligen Automodell eingeblendet. Das klassische Printmedium wird also zum Leben erweckt. Auf ähnliche Weise werden z.B. auch Audiodateien, Animationen und weiterführende Links unterstützt. So kann man das Lehrwerk Business Pulse bereits durch den Browser Junaio um zusätzliche Lerninhalte erweitern.

AR_2

Werden die Erwartungen erfüllt?

AR-Browser befinden sich bereits seit einigen Jahren in der Entwicklung. Der große Durchbruch gelang bisher jedoch noch nicht. Dies liegt daran, dass ein großer Teil der Nutzer diese Anwendungen lediglich ausprobieren will. Die versprochenen Funktionen wecken Interesse und Neugier und viele sind zunächst von der intuitiven Bedienung und der realistischen Einbindung der Elemente begeistert, die sich tatsächlich beim Schwenken des Bildschirms mitbewegen. Eine nähere Betrachtung fällt dann jedoch eher ernüchternd aus. In Graz wurde eine Studie zum Nutzerverhalten von AR-Browsern durchgeführt[i]. Diese konnte unter anderem zeigen, dass ein großer Teil der Nutzer die Möglichkeiten der AR ohne genaues Ziel kennen lernen will. Ein Drittel nutzt den AR-Browser nicht länger als eine Woche. Dies zeigt, dass einerseits noch nicht genügend sinnvolle Anwendungsbeispiele vorliegen und andererseits, dass für die sinnvollen Anwendungen, wie z.B. „Layar“, noch nicht genügend Material vorliegt, welches diese Technologie unterstützt. Der User hat also wenig Motivation die App über einen längeren Zeitraum zu nutzen oder sogar weiter zu empfehlen.

 

Die Zukunft der AR-Browser

Momentan befinden sich AR-Browser immer noch in den Kinderschuhen. Der Anwendungsumfang fällt bisher eher bescheiden aus und die Anzahl an Produkten, die einen AR-Scan erlauben, ist noch sehr gering. Darüber hinaus kritisieren viele Nutzer, dass die Anwendungen noch zu langsam und unpräzise sind. Es finden sich auch immer Rezensionen von verärgerten Nutzern, auf deren Endgeräten die Anwendung aufgrund technischer Schwierigkeiten gar nicht funktioniert. Somit gibt es für die Entwickler sowohl qualitativ als auch inhaltlich noch große Hürden zu überwinden. Einen AR-Browser zur Navigation in der Stadt zu verwenden, klingt zunächst spannend, bringt jedoch im Vergleich zu klassischen Kartenanwendungen wie z.B. Google Maps kaum relevante Vorteile. Als Anwendung zur Erweiterung klassischer Printtitel bergen sie einiges an Potenzial. Da allerdings Zeitungen, Zeitschriften aber auch Schulbücher (siehe scook) zunehmend digitalisiert werden, könnte es den AR-Browsern in Zukunft an zu scannenden Produkten mangeln. Es wird also noch einige Zeit dauern, bis die bestehenden Unzulänglichkeiten behoben und umfangreiche und verlässliche Anwendungsformen geschaffen wurden. Vor allem eine Einbindung in die sogenannten Wearables, also AR-Endgeräte, die am Körper getragen werden, könnte den AR-Browsern den nötigen Schub verschaffen. Die Frage, wie sich eine AR-Technologie flächendeckend durchsetzen kann, bleibt somit weiterhin spannend.

Browserbeispiele: Layar, Blippar, Wikitude, Junaio und Aurasma

 

[1] http://www.icg.tu-graz.ac.at/publications/augmented-reality-browser-survey-1

(image is under cc licence; thank you to sndrv for supplying it)

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Wenn die morgendliche Müdigkeit dank des Schlürfens einer Mate überwunden wurde, vermag er es dank seines Psychologie-Studiums für fast jedes Problem der Kunden eine Lösung zu finden. Zwischendurch gilt es, in Sachen Pop-Culture auf dem Laufenden zu bleiben, dem Spott (oder Neid) gegen den Lieblingsverein zu trotzen und dann frei nach dem Motto „ist das Kunst oder kann das weg?“ im Blog den aktuellen Entwicklungen der neuen Medien hinsichtlich ihrer Tauglichkeit argwöhnisch auf den Zahn zu fühlen. Abends folgen auf die harten Worte des täglichen Trash-Talks auch Taten, indem die Kollegen bei einer Runde Fifa genüsslich in ihre Schranken verwiesen werden.

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