Schule und Mobile Learning

von Christopher Bruder — Gepostet in Bildung am 12. Dezember 2014

Ein Artikel zum Thema mobile Learning aus der Sicht von Schülern macht keinen Sinn, habe ich lange gedacht. Es besteht ja ein gesellschaftlicher Konsens darüber, dass Schüler ihre mobilen Endgeräte in der Schule einsetzen möchten. Immerhin ist das Smartphone schon für 12-Jährige ein zentrales Informationsgerät (Bitkom 2014). Also warum sträuben sich Schulen gegen deren Integration? Smartphones und Tablets sind immerhin ein fester Bestandteil der realen Lebenswelt von Schülern. Der Schüler selbst scheint demnach keine Einstiegshürde für das Mobile Learning in der Schule zu sein. Doch ist dem wirklich so?

Wir haben festgestellt, dass der konstruktivistische Lehransatz mehr Raum für individualisierte Lernprozesse bietet und Schüler mehr in Verantwortung nimmt. Bereits im Grundschullehrplan Deutsch von Berlin wird als Kompetenz „… das reflektierte und produktive Nutzen von Medien aller Art …“  genannt. Dabei sollen die Schüler die „… Medienangebote zunehmend selbstständig auswählen, eigene Medienbeiträge gestalten, verbreiten sowie kritisch bewerten […] können“ . Der Lehrplan zielt somit auf eine geregelte Medienkompetenz ab und genau hier offenbart sich das Problem.

 

Medienkompetenz vor der Medienkompetenz!

Die Lebenswelt der Schüler ändert sich schneller als die Anpassungen im Lehrplan vorgenommen werden können. Aus diesem Grund kommt dem Umgang des Schülers mit dem mobilen Endgerät eine besondere Bedeutung zu. Denn der tägliche Umgang hat Vorbildcharakter und färbt auf die Lehrkraft und die Schule ab.

Dagegen kommen die Vorstellungen von „Medienkompetenz“ aus einer objektiven Welt, reflektiert durch die Lehrkraft bzw. die Schule. Schüler lernen jedoch immer mehr aus einer individualisierten und subjektiven Welt heraus und haben sich eventuell bereits eine eigene Medienkompetenz erarbeitet. So nehmen Jugendliche ab 12 Jahren vermehrt Smartphones, um im Internet nach Informationen zu suchen; davon nutzen 82 % das Internet gar für schulische Inhalte.

Der Schüler muss, bevor er die curriculare Medienkompetenz erwirbt, bereits eine eigene Medienkompetenz beweisen. Denn ob ein mobiles Endgerät in der Schule eingesetzt werden darf, wird aktuell überhaupt erst dann in Erwägung gezogen, wenn der Schüler einen reflektierten Umgang mit einem mobilen Endgerät demonstriert hat.

 

Regeln sind situativ zu beantworten!

Bei der Nutzung von mobilen Endgeräten geht es auch immer um die Beziehung zwischen Schüler – Lehrkraft bzw. Schule. Die Regeln bewegen sich im Rahmen der Frage des Vertrauens und des Bewusstseins der Verantwortung. „Kann ich als Sportlehrer die Speere bereits vor dem offiziellen Stundenbeginn ausgeben oder nicht? – Didaktisch wäre es toll für die Gewöhnung an die Speere vor dem Unterrichtseinstieg! – Oder laufe ich dann Gefahr, dass die Schüler sich lediglich gegenseitig verletzen?“ Die Beantwortung solcher Fragen, so auch in Hinblick auf die Nutzung mobiler Geräte, basiert auf der individuellen Beziehung zwischen Schülern und Lehrkraft und wird häufig situativ beantwortet.

 

Das Smartphone ist kein „Beziehungskiller“

Häufig lese ich aktuell, dass Smartphones „Beziehungskiller“  sind. Kate Miltner verweist in der Auswertung ihrer Studie darauf, dass dies aber schlichtweg Medienpanik ist. Ihr zu Folge werden Beziehungen nur dann durch die Nutzung von Smartphones gestört, wenn zwischen den Partnern unterschiedliche Normen bestehen.

Gehen Lehrkraft und Schule davon aus, dass jeder Blick auf das Smartphone eine Unterrichtsstörung ist, besteht die Möglichkeit, dass der Schüler das Smartphone als globales Nachschlagewerk wahrnimmt. Das klassische Dilemma unterschiedlicher Normvorstellungen. Um eine Anpassung der Normen zur erreichen, muss nun ein neuer Dialog geführt werden, in dem auch die Schüler zu Wort kommen.

 

Der Schüler als bester „Marketing-Vertreter“

Möchte man ein innovatives Produkt im Bereich des mobilen Lernens für die Schule gestalten, ist es meiner Meinung nach von enormer Wichtigkeit, dass die Vorteile des Produktes auch für Schüler schnell und transparent erkennbar sind. Denn nur wenn dies der Fall ist, werden die Schüler auf Grund des innovativen Produkts in den Austausch mit ihrer Institution treten, um eine Änderung der Normen herbeizuführen.

Ja, es gibt die Einstiegshürde, dass Schüler den verantwortungsbewussten Umgang mit den Devices in der Schule nachweisen müssen. Gelingt es, diese Hürde mit Hilfe der Schüler zu überwinden, dann ist die lernende Generation der erste „Marketing-Vertreter“ des Produktes in der Schule und bei der Lehrkraft. Dadurch bietet sich den Schülern die Chance, als Innovationstreiber den Bereich mobile Learning in ihrem eigenen Unterricht zu etablieren und den Lernalltag nach ihren eigenen Bedürfnissen mitzugestalten.

Schule und Mobile Learning

Bildung

Der Schüler im Kontext von Schule und Mobile Learning

Ein Artikel zum Thema mobile Learning aus der Sicht von Schülern macht keinen Sinn, habe ich lange gedacht. Es besteht ja ein gesellschaftlicher Konsens darüber, dass Schüler ihre mobilen Endgeräte in der Schule einsetzen möchten. Immerhin ist das Smartphone schon für 12-Jährige ein zentrales Informationsgerät (Bitkom 2014). Also warum sträuben sich Schulen gegen deren Integration? Smartphones und Tablets sind immerhin ein fester Bestandteil der realen Lebenswelt von Schülern. Der Schüler selbst scheint demnach keine Einstiegshürde für das Mobile Learning in der Schule zu sein. Doch ist dem wirklich so?

Wir haben festgestellt, dass der konstruktivistische Lehransatz mehr Raum für individualisierte Lernprozesse bietet und Schüler mehr in Verantwortung nimmt. Bereits im Grundschullehrplan Deutsch von Berlin wird als Kompetenz „… das reflektierte und produktive Nutzen von Medien aller Art …“  genannt. Dabei sollen die Schüler die „… Medienangebote zunehmend selbstständig auswählen, eigene Medienbeiträge gestalten, verbreiten sowie kritisch bewerten […] können“ . Der Lehrplan zielt somit auf eine geregelte Medienkompetenz ab und genau hier offenbart sich das Problem.

 

Medienkompetenz vor der Medienkompetenz!

Die Lebenswelt der Schüler ändert sich schneller als die Anpassungen im Lehrplan vorgenommen werden können. Aus diesem Grund kommt dem Umgang des Schülers mit dem mobilen Endgerät eine besondere Bedeutung zu. Denn der tägliche Umgang hat Vorbildcharakter und färbt auf die Lehrkraft und die Schule ab.

Dagegen kommen die Vorstellungen von „Medienkompetenz“ aus einer objektiven Welt, reflektiert durch die Lehrkraft bzw. die Schule. Schüler lernen jedoch immer mehr aus einer individualisierten und subjektiven Welt heraus und haben sich eventuell bereits eine eigene Medienkompetenz erarbeitet. So nehmen Jugendliche ab 12 Jahren vermehrt Smartphones, um im Internet nach Informationen zu suchen; davon nutzen 82 % das Internet gar für schulische Inhalte.

Der Schüler muss, bevor er die curriculare Medienkompetenz erwirbt, bereits eine eigene Medienkompetenz beweisen. Denn ob ein mobiles Endgerät in der Schule eingesetzt werden darf, wird aktuell überhaupt erst dann in Erwägung gezogen, wenn der Schüler einen reflektierten Umgang mit einem mobilen Endgerät demonstriert hat.

 

Regeln sind situativ zu beantworten!

Bei der Nutzung von mobilen Endgeräten geht es auch immer um die Beziehung zwischen Schüler – Lehrkraft bzw. Schule. Die Regeln bewegen sich im Rahmen der Frage des Vertrauens und des Bewusstseins der Verantwortung. „Kann ich als Sportlehrer die Speere bereits vor dem offiziellen Stundenbeginn ausgeben oder nicht? – Didaktisch wäre es toll für die Gewöhnung an die Speere vor dem Unterrichtseinstieg! – Oder laufe ich dann Gefahr, dass die Schüler sich lediglich gegenseitig verletzen?“ Die Beantwortung solcher Fragen, so auch in Hinblick auf die Nutzung mobiler Geräte, basiert auf der individuellen Beziehung zwischen Schülern und Lehrkraft und wird häufig situativ beantwortet.

 

Das Smartphone ist kein „Beziehungskiller“

Häufig lese ich aktuell, dass Smartphones „Beziehungskiller“  sind. Kate Miltner verweist in der Auswertung ihrer Studie darauf, dass dies aber schlichtweg Medienpanik ist. Ihr zu Folge werden Beziehungen nur dann durch die Nutzung von Smartphones gestört, wenn zwischen den Partnern unterschiedliche Normen bestehen.

Gehen Lehrkraft und Schule davon aus, dass jeder Blick auf das Smartphone eine Unterrichtsstörung ist, besteht die Möglichkeit, dass der Schüler das Smartphone als globales Nachschlagewerk wahrnimmt. Das klassische Dilemma unterschiedlicher Normvorstellungen. Um eine Anpassung der Normen zur erreichen, muss nun ein neuer Dialog geführt werden, in dem auch die Schüler zu Wort kommen.

 

Der Schüler als bester „Marketing-Vertreter“

Möchte man ein innovatives Produkt im Bereich des mobilen Lernens für die Schule gestalten, ist es meiner Meinung nach von enormer Wichtigkeit, dass die Vorteile des Produktes auch für Schüler schnell und transparent erkennbar sind. Denn nur wenn dies der Fall ist, werden die Schüler auf Grund des innovativen Produkts in den Austausch mit ihrer Institution treten, um eine Änderung der Normen herbeizuführen.

Ja, es gibt die Einstiegshürde, dass Schüler den verantwortungsbewussten Umgang mit den Devices in der Schule nachweisen müssen. Gelingt es, diese Hürde mit Hilfe der Schüler zu überwinden, dann ist die lernende Generation der erste „Marketing-Vertreter“ des Produktes in der Schule und bei der Lehrkraft. Dadurch bietet sich den Schülern die Chance, als Innovationstreiber den Bereich mobile Learning in ihrem eigenen Unterricht zu etablieren und den Lernalltag nach ihren eigenen Bedürfnissen mitzugestalten.

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„Oberstudienrat“ in einer Digital Agentur, klingt absurd – macht aber Sinn! Er liebt die Digitalität aus der Sicht des Kunden und möchte ewig lernen. Sinnhaftes Lernen benötigt für ihn „nur“ den richtigen Blickwinkel und keinen Zwangsaktionismus. Als Berliner in Berlin versucht er jeden Tag aufs Neue zu beweisen, dass unfreundlich, rücksichtslos, ruppig und rechthaberisch kene Berliner Marotte mehr ist. Am liebsten freut er sich nämlich wie Bolle.

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