Drop your Glasses

von Rolf Diederich — Gepostet in AR am 3. Februar 2015

Die herkömmlichen Anwendungen der Augmented-Technology kamen bisher vor allem auf mobilen Geräten zum Einsatz. Der größte Teil der Menschen besitzt ein Smartphone oder ein Tablet und nutzt dieses auch unterwegs. Die fortlaufend steigende Rechenleistung sowie die eingebaute Kamera nebst GPS und Gyroskop bieten eine ideale Grundlage für die AR-Anwendungen. Interessanterweise lassen sich in der Branche mobiler Endgeräte nun jedoch auch Entwicklungen sogenannter „Wearables“ beobachten, also Geräte, die direkt am Körper getragen werden.

In diesem Artikel möchte ich die Entwicklungen und die markanten Eigenschaften der Wearables am Beispiel von Google Glass vorstellen, da dieses das bekannteste aktuelle Projekt darstellt. Die entscheidende Frage lautet hier: Warum brauchen wir noch ein zusätzliches Gerät, wenn die Anwendungen doch schon in unsere Smartphones integriert wurden?

Wie funktioniert Google Glass?

Das Design der Google Glass erinnert an eine Brille ohne Brillengläser. Das Gestell dient dazu, das transparente Head-Up-Display (HUD) und die Kamera vor dem rechten Auge zu positionieren. Vom rechten Bügel und an der Schläfe anliegend wird dieses zentrale Element durch einen Mini-Computer mit der nötigen Rechenleistung und sonstiger Hardware versorgt.

Ziel dieser AR-Technologie ist es wie immer, die Wahrnehmung der Umgebung zu verbessern und Zusatzelemente und Informationen in das Blickfeld einzublenden. Die Kamera scannt die den Usern umgebende Umwelt permanent. Die Daten werden dann größtenteils auf externen Servern verarbeitet. Die dazu nötige Internetverbindung wird entweder über eine Bluetooth-Kopplung an ein anderes internetfähiges mobiles Gerät, welches dann als Hotspot dient, oder direkt über eine WLAN-Verbindung bereitgestellt. Der Ton einer Anwendung wird über Knochenleitungslautsprecher für andere unhörbar direkt an unser Hörorgan weitergeleitet.

Die Bedienung der Funktionen erfolgt durch eine Sprachsteuerung, die Registrierung von Kopfbewegungen und ein Touchpad. Das entscheidende Alleinstellungsmerkmal dieses Gerätes stellt jedoch das HUD dar. Durch die Platzierung im oberen rechten Sichtfeld wird nur ein kleiner Teil des Sichtfeldes verdenkt, wobei trotzdem eine optimale Darstellung der Eiblendungen gewährleistet sein soll.

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Welche Vorteile bieten Wearables?

Den größten Vorteil einer solchen Wearable-Technologie soll die vereinfachte praktische Anwendung darstellen. Die Nutzung von AR-Apps auf einem Smartphone erfordert vom Nutzer, dass die Kamera permanent manuell auf das Zielobjekt gerichtet wird. Bei einer längeren Nutzungsdauer kann sich dies als ermüdend erweisen. Tablets werden dem Anwender aufgrund ihrer Größe und ihres Gewichts hier langfristig noch weniger Freude bereiten.

Google Glass ermöglicht es uns, die gewünschten Objekte intuitiv über die Drehung unseres Kopfes anzuvisieren, wie wir es durch die alltägliche Orientierung bereits gewohnt sind. Durch die direkte Einblendung der Inhalte in das Sichtfeld wird die Wahrnehmung der Umgebung nur geringfügig eingeschränkt. Die Fixation der Augen auf die verhältnismäßig kleine und teils verzögerte Darstellung eines Bildschirms wird somit vermieden.

Auch wenn das Produktdesign für die Nutzung verschiedener AR-Anwendungen optimiert wurde, so ist Google Glass nicht auf diese limitiert. Dies öffnet den Markt für weitere von der Augmented Reality unabhängige Anwendungen. Google Glass greift somit die bereits bewährten Ansätze der AR-Technologie von bisherigen mobilen Geräten auf und stellt diese in einer revolutionären Form bereit. Rein technisch bringt Google mit dieser Entwicklung also ein vielversprechendes Gerät auf den Weg.

Die Risiken dieser Technologie sind noch nicht klar zu überblicken

Schon seit der ersten Vorstellung der Google Glass ist um das heikle Thema des Datenschutzes eine neue Diskussion entbrannt. Denn eine Technologie wie diese, welche die alltägliche Umgebung permanent und für andere unauffällig filmen kann, stellt für den Schutz der Privatsphäre eine enorme Herausforderung dar. Die Berichterstattung rund um die massive Speicherung persönlicher Daten durch Geheimdienste und soziale Medien ist hat in den letzten Jahren stark zugenommen. Die daraus resultierende Angst vor dem „gläserne Bürger“ ist dementsprechend in den Köpfen der Bevölkerung präsenter denn je. Die Sammlung, Verarbeitung und Speicherung der personen- und ortsbezogenen Daten einer solchen Technologie ist für den Endnutzer des Produktes daher leider äußerst intransparent. Dem technischen Meilenstein steht also auch die noch ungelöste Frage der Regulierung von Datentransfers gegenüber. Ob und wie diesem allgemeine Misstrauen der Gesellschaft bis zum offiziellen Verkaufsstart entgegengewirkt werden kann, bleibt somit abzuwarten.

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(images are under cc licence; thank you to janitors and tedeytan for supplying it)

 

Drop your Glasses

AR

Die Wearable Technologien am Beispiel von Google Glass

Die herkömmlichen Anwendungen der Augmented-Technology kamen bisher vor allem auf mobilen Geräten zum Einsatz. Der größte Teil der Menschen besitzt ein Smartphone oder ein Tablet und nutzt dieses auch unterwegs. Die fortlaufend steigende Rechenleistung sowie die eingebaute Kamera nebst GPS und Gyroskop bieten eine ideale Grundlage für die AR-Anwendungen. Interessanterweise lassen sich in der Branche mobiler Endgeräte nun jedoch auch Entwicklungen sogenannter „Wearables“ beobachten, also Geräte, die direkt am Körper getragen werden.

In diesem Artikel möchte ich die Entwicklungen und die markanten Eigenschaften der Wearables am Beispiel von Google Glass vorstellen, da dieses das bekannteste aktuelle Projekt darstellt. Die entscheidende Frage lautet hier: Warum brauchen wir noch ein zusätzliches Gerät, wenn die Anwendungen doch schon in unsere Smartphones integriert wurden?

Wie funktioniert Google Glass?

Das Design der Google Glass erinnert an eine Brille ohne Brillengläser. Das Gestell dient dazu, das transparente Head-Up-Display (HUD) und die Kamera vor dem rechten Auge zu positionieren. Vom rechten Bügel und an der Schläfe anliegend wird dieses zentrale Element durch einen Mini-Computer mit der nötigen Rechenleistung und sonstiger Hardware versorgt.

Ziel dieser AR-Technologie ist es wie immer, die Wahrnehmung der Umgebung zu verbessern und Zusatzelemente und Informationen in das Blickfeld einzublenden. Die Kamera scannt die den Usern umgebende Umwelt permanent. Die Daten werden dann größtenteils auf externen Servern verarbeitet. Die dazu nötige Internetverbindung wird entweder über eine Bluetooth-Kopplung an ein anderes internetfähiges mobiles Gerät, welches dann als Hotspot dient, oder direkt über eine WLAN-Verbindung bereitgestellt. Der Ton einer Anwendung wird über Knochenleitungslautsprecher für andere unhörbar direkt an unser Hörorgan weitergeleitet.

Die Bedienung der Funktionen erfolgt durch eine Sprachsteuerung, die Registrierung von Kopfbewegungen und ein Touchpad. Das entscheidende Alleinstellungsmerkmal dieses Gerätes stellt jedoch das HUD dar. Durch die Platzierung im oberen rechten Sichtfeld wird nur ein kleiner Teil des Sichtfeldes verdenkt, wobei trotzdem eine optimale Darstellung der Eiblendungen gewährleistet sein soll.

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Welche Vorteile bieten Wearables?

Den größten Vorteil einer solchen Wearable-Technologie soll die vereinfachte praktische Anwendung darstellen. Die Nutzung von AR-Apps auf einem Smartphone erfordert vom Nutzer, dass die Kamera permanent manuell auf das Zielobjekt gerichtet wird. Bei einer längeren Nutzungsdauer kann sich dies als ermüdend erweisen. Tablets werden dem Anwender aufgrund ihrer Größe und ihres Gewichts hier langfristig noch weniger Freude bereiten.

Google Glass ermöglicht es uns, die gewünschten Objekte intuitiv über die Drehung unseres Kopfes anzuvisieren, wie wir es durch die alltägliche Orientierung bereits gewohnt sind. Durch die direkte Einblendung der Inhalte in das Sichtfeld wird die Wahrnehmung der Umgebung nur geringfügig eingeschränkt. Die Fixation der Augen auf die verhältnismäßig kleine und teils verzögerte Darstellung eines Bildschirms wird somit vermieden.

Auch wenn das Produktdesign für die Nutzung verschiedener AR-Anwendungen optimiert wurde, so ist Google Glass nicht auf diese limitiert. Dies öffnet den Markt für weitere von der Augmented Reality unabhängige Anwendungen. Google Glass greift somit die bereits bewährten Ansätze der AR-Technologie von bisherigen mobilen Geräten auf und stellt diese in einer revolutionären Form bereit. Rein technisch bringt Google mit dieser Entwicklung also ein vielversprechendes Gerät auf den Weg.

Die Risiken dieser Technologie sind noch nicht klar zu überblicken

Schon seit der ersten Vorstellung der Google Glass ist um das heikle Thema des Datenschutzes eine neue Diskussion entbrannt. Denn eine Technologie wie diese, welche die alltägliche Umgebung permanent und für andere unauffällig filmen kann, stellt für den Schutz der Privatsphäre eine enorme Herausforderung dar. Die Berichterstattung rund um die massive Speicherung persönlicher Daten durch Geheimdienste und soziale Medien ist hat in den letzten Jahren stark zugenommen. Die daraus resultierende Angst vor dem „gläserne Bürger“ ist dementsprechend in den Köpfen der Bevölkerung präsenter denn je. Die Sammlung, Verarbeitung und Speicherung der personen- und ortsbezogenen Daten einer solchen Technologie ist für den Endnutzer des Produktes daher leider äußerst intransparent. Dem technischen Meilenstein steht also auch die noch ungelöste Frage der Regulierung von Datentransfers gegenüber. Ob und wie diesem allgemeine Misstrauen der Gesellschaft bis zum offiziellen Verkaufsstart entgegengewirkt werden kann, bleibt somit abzuwarten.

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(images are under cc licence; thank you to janitors and tedeytan for supplying it)

 

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Wenn die morgendliche Müdigkeit dank des Schlürfens einer Mate überwunden wurde, vermag er es dank seines Psychologie-Studiums für fast jedes Problem der Kunden eine Lösung zu finden. Zwischendurch gilt es, in Sachen Pop-Culture auf dem Laufenden zu bleiben, dem Spott (oder Neid) gegen den Lieblingsverein zu trotzen und dann frei nach dem Motto „ist das Kunst oder kann das weg?“ im Blog den aktuellen Entwicklungen der neuen Medien hinsichtlich ihrer Tauglichkeit argwöhnisch auf den Zahn zu fühlen. Abends folgen auf die harten Worte des täglichen Trash-Talks auch Taten, indem die Kollegen bei einer Runde Fifa genüsslich in ihre Schranken verwiesen werden.

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