Welche Chancen stecken in Mobile Learning

von Christopher Bruder — Gepostet in Bildung am 4. März 2014

Wie häufig hört und liest man die Hinweise, dass das mobile Lernen die Sichtweise auf das klassische Lernen und Lehren stark verändert. Es eröffnet ungeahnte neue Möglichkeiten zur individuellen Entgrenzung von Lernmöglichkeiten, da es ort- und zeitunabhängig durchgeführt werden kann. Durch die Verbreitung der entsprechenden (mobilen) Endgeräte ist dieser Prozess nicht mehr aufzuhalten und es entspringen unzählige neue Anwendungsideen.

Doch wenn es neue Möglichkeiten gibt, sollte der Weg zur neuen Innovation richtig gestaltet werden. Immer wieder werden aufgrund neuer technischer Standards primär um diese Standards neue Produkte kreiert. Ich bin jedoch der Überzeugung, dass ein Produkt nur dann optimal genutzt wird, wenn sich die Standards um den Inhalt des Produktes herum gestalten und nicht um dessen technischen Realisierung.

Aus diesem Grund ist es im Folgendem mein Anliegen aufzuzeigen, was der Grundstock für die Entwicklung eines Produkts des mobilen Lernens im ganzheitlichen Kontext der Schule ist.

Unterrichtsmethoden im Bezugsfeld von mobile Learning.

Eine gelungene Lernsituation basiert auf der Wechselwirkung von Zielen, Inhalten und Methoden und ist eine auf methodischem Handeln basierte Interaktion zwischen Lernern und Lehrern. Ziele, Inhalte und Methoden haben dabei immer eine eigene Zielorientierung und bedingen sich gegenseitig. Dessen muss man sich immer bewusst sein, denn die „Methode“ gibt es somit nicht, sondern sie bedingt lediglich das gelungene Zusammenspiel der Aspekte.

Es gibt die Bereiche der Makro-, Mikro- und Mesomethoden (vgl. Hilbert Meyer). Ich möchte hier lediglich auf den Bereich der Makromethoden im Zusammenhang mit dem mobilen Lernen eingehen, da diese auch als die Grundformen des Unterrichts bezeichnet werden. Hilbert Meyer teilt diese Grundformen in

lehrgangsförmige Unterricht
individualisierte Freiarbeit und
Projektarbeit.

Für die Bereiche individualisierte Freiarbeit und Projektarbeit erschließt es sich fast von selbst, dass hier mobile Endgeräte hervorragend angewendet werden können. Einsatzmöglichkeiten liegen dabei in den Bereichen Präsentieren, Visualisieren, Kommunizieren, Produzieren, Recherchieren, Dokumentieren und Strukturieren. In diesen Lernfeldern agiert die Lehrkraft eher als Moderator bzw. Mentor. Die Schüler sind in diesen Methoden aktive Teilhaber an der Gestaltung des Unterrichts, weshalb die Verwendung mobiler Endgeräte naheliegend ist, da diese der gesellschaftlichen Wirklichkeit der Schüler entsprechen und sinnhaft eingesetzt werden können.

Die am häufigsten verwendete Makromethode ist der lehrgangsförmige Unterricht. Dieser ist auch heute noch zu meist durch instruktivistischen Unterrichtform geprägt. Hier haben alle Teilnehmer der Lernwelt den Bezug zur gleichen objektiven Welt und der Lehrer hat einen Erfahrungsvorsprung, mit dessen Hilfe er den Schülern vermittelt, wie diese die objektive Welt wahrnehmen sollten. Hier steht die Lehrkraft mit besonderer Bedeutung im Mittelpunkt. Dies ist das „klassische“ Bild von Schule und Lernen. Allerdings entwickelten sich Anforderungen der Gesellschaft, die zunehmend Selbständigkeit, Teamfähigkeit und lebenslanges Lernen betonen.
Das deutsche Schulsystem befindet sich seit Jahren in einem Umstellungsprozess weg von instruktionistischen hin zu konstruktivistischen Verfahren in allen Schultypen und Fächern. Gerade dieser Bereich ist Interessant für das mobile Learning. Beim konstruktivistischen Unterricht geht man von keiner objektiven Welt aus, sondern dass jedes Subjekt sich seine Welt auf Grund von individuellen Erfahrungen – sinnesphysiologische, neuronale, kognitive und soziale Prozesse – selbst konstruiert. Lehrkräfte verstehen sich als Lernpartner und Lernunterstützer, denn der Lernprozess wird entscheidend durch den Lerner bestimmt. Dies bedeutet jedoch nicht das die Rolle der Lehrkraft an Bedeutung verloren hat, sondern betont noch mehr die individuelle Bedeutung der Lehrkraft als Steuermann des Lernprozesses, da diese den Lernprozess initiiert. Überspitzt könnte man auch formulieren, dass die Lehrkraft die Lernziele vorgibt und den Lerner bei der Entscheidung unterstützt was, wann, mit wem und in welcher Art und Weise der Lerner lernt. Dies bedeutet für die Lehrkraft, dass sie immer unterschiedliche Wege begleiten und akzeptieren können muss. Ein fast schon inklusiver Ansatz.

Möglichkeiten der Methodenvielfalt durch mobile Learning.

Wenn man sich die methodischen Möglichkeiten des mobile Learnings ansieht, so verbirgt sich genau hier die Chance für eine gelungene schulische Zukunft. Es können zum Beispiel Instruktionen und Input über mobile Endgeräte abgebildet und eine Optimierung des Zeitmanagements realisiert werden. Gesteuert über eine Lern Management System (LMS) können verschiedene Methoden auf unterschiedlichen Endgeräten gesteuert und ausgewertet werden, die durch Gamificationansätze (spielerische Elemente zur Motivationssteigerung) den Lernprozess noch zusätzlich verstärken können. Ein Traum der Realisierung einer individuellen Methodenvielfalt. Neben den methodischen Ansätzen des Präsentieren, Visualisieren, Kommunizieren, Produzieren, Recherchieren, Dokumentieren und Strukturieren bieten mobile Endgeräte somit auch Möglichkeit der Steuerung des Lernprozesses durch den Lerninitiator – die Lehrkraft.

Hat mobile Learning überhaupt eine Chance in der Schule?

Ob mobile Learning in den Schulalltag erfolgreich implementiert werden kann ist nach meiner Meinung nicht nur davon abhängig, wie die Lernenden damit umgehen, sondern viel mehr davon welche Vorteile es für die Schule und die Lehrkräfte offenbart. Nur ein ganzheitlicher konstruktivistischer Ansatz, der alle Teilhaber des Lernprozesses einbindet, und damit meine ich auch explizit die Lehrkräfte, kann eine erfolgreiche Implementierung des mobilen Lernens in die Schule bewirken. Aus dem Blickwinkel der Methodik ist es sinnvoll und notwendig sich in der Zukunft intensiv mit dem Thema mobiles Lernen in der Schule auseinanderzusetzen, denn es bietet die Möglichkeit zielgerichtete die Methodenvielfalt zu steuern. Ziel sollte es sein hier Ansätze zu entwickeln, die den Fokus darauf legen, wie Lehrkräfte im Alltag bei der Methodenauswahl und Anwendung unterstützt werden können. Wir sollten deswegen ab und an einmal innehalten und den Fokus weg vom Schüler auf die Lehrkraft lenken, denn immerhin ist die Lehrkraft der Entscheidungsträger für die Ausrichtung des Lernprozesses.

Welche Chancen stecken in Mobile Learning

Bildung

Mobile Learning – Eine Chance für die ganzheitliche Methodenvielfalt in der Schule?

Wie häufig hört und liest man die Hinweise, dass das mobile Lernen die Sichtweise auf das klassische Lernen und Lehren stark verändert. Es eröffnet ungeahnte neue Möglichkeiten zur individuellen Entgrenzung von Lernmöglichkeiten, da es ort- und zeitunabhängig durchgeführt werden kann. Durch die Verbreitung der entsprechenden (mobilen) Endgeräte ist dieser Prozess nicht mehr aufzuhalten und es entspringen unzählige neue Anwendungsideen.

Doch wenn es neue Möglichkeiten gibt, sollte der Weg zur neuen Innovation richtig gestaltet werden. Immer wieder werden aufgrund neuer technischer Standards primär um diese Standards neue Produkte kreiert. Ich bin jedoch der Überzeugung, dass ein Produkt nur dann optimal genutzt wird, wenn sich die Standards um den Inhalt des Produktes herum gestalten und nicht um dessen technischen Realisierung.

Aus diesem Grund ist es im Folgendem mein Anliegen aufzuzeigen, was der Grundstock für die Entwicklung eines Produkts des mobilen Lernens im ganzheitlichen Kontext der Schule ist.

Unterrichtsmethoden im Bezugsfeld von mobile Learning.

Eine gelungene Lernsituation basiert auf der Wechselwirkung von Zielen, Inhalten und Methoden und ist eine auf methodischem Handeln basierte Interaktion zwischen Lernern und Lehrern. Ziele, Inhalte und Methoden haben dabei immer eine eigene Zielorientierung und bedingen sich gegenseitig. Dessen muss man sich immer bewusst sein, denn die „Methode“ gibt es somit nicht, sondern sie bedingt lediglich das gelungene Zusammenspiel der Aspekte.

Es gibt die Bereiche der Makro-, Mikro- und Mesomethoden (vgl. Hilbert Meyer). Ich möchte hier lediglich auf den Bereich der Makromethoden im Zusammenhang mit dem mobilen Lernen eingehen, da diese auch als die Grundformen des Unterrichts bezeichnet werden. Hilbert Meyer teilt diese Grundformen in

lehrgangsförmige Unterricht
individualisierte Freiarbeit und
Projektarbeit.

Für die Bereiche individualisierte Freiarbeit und Projektarbeit erschließt es sich fast von selbst, dass hier mobile Endgeräte hervorragend angewendet werden können. Einsatzmöglichkeiten liegen dabei in den Bereichen Präsentieren, Visualisieren, Kommunizieren, Produzieren, Recherchieren, Dokumentieren und Strukturieren. In diesen Lernfeldern agiert die Lehrkraft eher als Moderator bzw. Mentor. Die Schüler sind in diesen Methoden aktive Teilhaber an der Gestaltung des Unterrichts, weshalb die Verwendung mobiler Endgeräte naheliegend ist, da diese der gesellschaftlichen Wirklichkeit der Schüler entsprechen und sinnhaft eingesetzt werden können.

Die am häufigsten verwendete Makromethode ist der lehrgangsförmige Unterricht. Dieser ist auch heute noch zu meist durch instruktivistischen Unterrichtform geprägt. Hier haben alle Teilnehmer der Lernwelt den Bezug zur gleichen objektiven Welt und der Lehrer hat einen Erfahrungsvorsprung, mit dessen Hilfe er den Schülern vermittelt, wie diese die objektive Welt wahrnehmen sollten. Hier steht die Lehrkraft mit besonderer Bedeutung im Mittelpunkt. Dies ist das „klassische“ Bild von Schule und Lernen. Allerdings entwickelten sich Anforderungen der Gesellschaft, die zunehmend Selbständigkeit, Teamfähigkeit und lebenslanges Lernen betonen.
Das deutsche Schulsystem befindet sich seit Jahren in einem Umstellungsprozess weg von instruktionistischen hin zu konstruktivistischen Verfahren in allen Schultypen und Fächern. Gerade dieser Bereich ist Interessant für das mobile Learning. Beim konstruktivistischen Unterricht geht man von keiner objektiven Welt aus, sondern dass jedes Subjekt sich seine Welt auf Grund von individuellen Erfahrungen – sinnesphysiologische, neuronale, kognitive und soziale Prozesse – selbst konstruiert. Lehrkräfte verstehen sich als Lernpartner und Lernunterstützer, denn der Lernprozess wird entscheidend durch den Lerner bestimmt. Dies bedeutet jedoch nicht das die Rolle der Lehrkraft an Bedeutung verloren hat, sondern betont noch mehr die individuelle Bedeutung der Lehrkraft als Steuermann des Lernprozesses, da diese den Lernprozess initiiert. Überspitzt könnte man auch formulieren, dass die Lehrkraft die Lernziele vorgibt und den Lerner bei der Entscheidung unterstützt was, wann, mit wem und in welcher Art und Weise der Lerner lernt. Dies bedeutet für die Lehrkraft, dass sie immer unterschiedliche Wege begleiten und akzeptieren können muss. Ein fast schon inklusiver Ansatz.

Möglichkeiten der Methodenvielfalt durch mobile Learning.

Wenn man sich die methodischen Möglichkeiten des mobile Learnings ansieht, so verbirgt sich genau hier die Chance für eine gelungene schulische Zukunft. Es können zum Beispiel Instruktionen und Input über mobile Endgeräte abgebildet und eine Optimierung des Zeitmanagements realisiert werden. Gesteuert über eine Lern Management System (LMS) können verschiedene Methoden auf unterschiedlichen Endgeräten gesteuert und ausgewertet werden, die durch Gamificationansätze (spielerische Elemente zur Motivationssteigerung) den Lernprozess noch zusätzlich verstärken können. Ein Traum der Realisierung einer individuellen Methodenvielfalt. Neben den methodischen Ansätzen des Präsentieren, Visualisieren, Kommunizieren, Produzieren, Recherchieren, Dokumentieren und Strukturieren bieten mobile Endgeräte somit auch Möglichkeit der Steuerung des Lernprozesses durch den Lerninitiator – die Lehrkraft.

Hat mobile Learning überhaupt eine Chance in der Schule?

Ob mobile Learning in den Schulalltag erfolgreich implementiert werden kann ist nach meiner Meinung nicht nur davon abhängig, wie die Lernenden damit umgehen, sondern viel mehr davon welche Vorteile es für die Schule und die Lehrkräfte offenbart. Nur ein ganzheitlicher konstruktivistischer Ansatz, der alle Teilhaber des Lernprozesses einbindet, und damit meine ich auch explizit die Lehrkräfte, kann eine erfolgreiche Implementierung des mobilen Lernens in die Schule bewirken. Aus dem Blickwinkel der Methodik ist es sinnvoll und notwendig sich in der Zukunft intensiv mit dem Thema mobiles Lernen in der Schule auseinanderzusetzen, denn es bietet die Möglichkeit zielgerichtete die Methodenvielfalt zu steuern. Ziel sollte es sein hier Ansätze zu entwickeln, die den Fokus darauf legen, wie Lehrkräfte im Alltag bei der Methodenauswahl und Anwendung unterstützt werden können. Wir sollten deswegen ab und an einmal innehalten und den Fokus weg vom Schüler auf die Lehrkraft lenken, denn immerhin ist die Lehrkraft der Entscheidungsträger für die Ausrichtung des Lernprozesses.

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„Oberstudienrat“ in einer Digital Agentur, klingt absurd – macht aber Sinn! Er liebt die Digitalität aus der Sicht des Kunden und möchte ewig lernen. Sinnhaftes Lernen benötigt für ihn „nur“ den richtigen Blickwinkel und keinen Zwangsaktionismus. Als Berliner in Berlin versucht er jeden Tag aufs Neue zu beweisen, dass unfreundlich, rücksichtslos, ruppig und rechthaberisch kene Berliner Marotte mehr ist. Am liebsten freut er sich nämlich wie Bolle.

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