Native AR-Apps

von Rolf Diederich — Gepostet in AR am 23. Januar 2015

Die Entwicklerszene innerhalb der etablierten App-Stores boomt. Da ein großer Teil der Bevölkerung ein Smartphone besitzt, buhlen hier tausende von Entwicklern um die Gunst der Endnutzer. Und obwohl nur ein sehr geringer Teil der Apps letztlich finanziell erfolgreich endet, hoffen immer mehr Entwickler nun die entscheidende disruptive Innovation gefunden zu haben. Durch die evolutionären Entwicklungen im Bereich der AR-Technologie wird nun natürlich auch hier eine App für jede erdenkliche Lebenssituation veröffentlicht. Im Vergleich zu den AR-Browsern, die ich Ihnen im letzten Artikel dieser Serie vorgestellt habe, spezialisieren sich diese Anwendungen auf ganz bestimmte Funktionen. Ich habe mir einen Überblick über die verschiedenen Anwendungsbeispiele verschafft und möchte diese in diesem Artikel bewerten.

Der Unterschied zu AR-Browsern

Der Unterschied zwischen den nativen Apps und einem AR-Browser wird erst auf den zweiten Blick deutlich. Während die AR-Browser eine allgemeine Plattform bieten und auch auf von Nutzern generierte Funktionen zugreifen können, spezialisieren sich native AR-Apps auf einzelne Aufgaben und konkrete Situationen. Durch diese Fokussierung liefern sie ein abgeschlossenes Paket, welches eine bestimmte Nischenfunktion für sich beansprucht.

AR_3

Welche Anwendungen gibt es?

Durch die Verknüpfung von Kamera und GPS-Tracker sind AR-Anwendungen sehr gut dafür geeignet, Informationen aus der unmittelbaren Umgebung zu beschaffen oder dem Anwender bei der Orientierung zu helfen. „Google Sky Map“ erklärt dem Nutzer zum Beispiel den nächtlichen Sternenhimmel. Je nachdem wohin die Kamera zeigt, werden die passenden Informationen zu den Sternbildern und anderen Himmelsobjekten eingeblendet.

Wer sich hingegen mehr für den Luftverkehr interessiert, kann sich mit der App „Plane Finder AR“ Flugzeuge über seinem aktuellen Standpunkt anzeigen lassen. Mitgeliefert werden dabei auch die Flughöhe, Airline sowie der Abflugs- und Zielort.

Doch auch für die Orientierung am Boden gibt es mittlerweile für fast jede Lebenssituation eine passende AR-App. Für jeden der gerne wandern geht, ist die „Theodolite“ App sicherlich von Interesse. Durch den Kompass, die Karte der Umgebung und verschiedene GPS-Werkzeuge werden Höhen und Entfernungen schnell berechnet. „Fast Food Reality“ scannt die Umgebung nach nahegelegenen Fast-Food-Restaurants und blendet diese dann samt Symbol, Adresse und Entfernung auf dem Bildschirm ein.

Die App Zoom hat bereits gezeigt, dass man auch im Bereich der Bildung mittels der AR-Technik Unterstützung leisten kann. „Tod an der Mauer“ heißt eine App aus dem Hause Sprylab, die nun versucht Bildung mit Elementen der Navigation und des Spielens zu verbinden. Der Anwender lässt sich dabei durch die Innenstadt Berlins führen, um dort einerseits historische Informationen über die Zeit der DDR zu sammeln und gleichzeitig spielerisch als Journalist den den Tod eines Grenzsoldatens zu untersuchen. Die App schafft es dabei auf unterhaltsame Art und Weise Wissen zu vermitteln und den Nutzer mit Fragen der Moral und Ethik zu konfrontieren.

Haben diese Anwendungen eine Chance?

Schon nach kurzem Stöbern beim App Anbieter Ihrer Wahl werden Sie also eine riesige Auswahl an AR-Apps finden. Meist existiert für einen Anwendungsbereich bereits eine Vielzahl von ähnlichen Apps, die von verschiedenen Anbietern bereitgestellt werden. Hier gilt es also zwischen unterschiedlichen Qualitätsstufen zu unterscheiden, was aufgrund der oft manipulierten Bewertungen und der sehr knapp verfassten Rezensionen meist erst im Selbsttest möglich wird.

Von den potenziellen technischen Unzulänglichkeiten einmal abgesehen, muss man sich als interessierter Nutzer auch die Frage stellen, welche Anwendungen überhaupt sinnvoll sind. Denn viele Entwickler versuchen nun zwanghaft die AR-Technologie in ihre Anwendungen einzubauen, um auf diese Weise Interesse zu erregen. Eine App wie „Theodolite“ generiert für Wanderfreunde sicherlich langfristig einen Mehrwert, da die Technik hier ideal eingebunden werden kann. Dadurch wird nicht nur die Wahrnehmung der Umgebung, sondern sogar das gesamte Erlebnis verbessert. Eine App dieser Art hat dann auch deutlich höhere Chancen dafür, dass Nutzer bereit sind, Geld zu bezahlen. Viele andere Anwendungen verspielen dieses Potenzial jedoch wortwörtlich. Gerade im großen Markt des Gamings finden sich größtenteils Spiele, welche die AR-Elemente nur unbefriedigend einbauen. Sie hinterlassen vielleicht einen ersten unterhaltsamen Eindruck, schaffen es dabei aber nicht den entscheidenden langfristigen Reiz zu setzen, um vom Nutzer als hilfreich bewertet werden zu können.

Wir können also feststellen, dass zwar einige interessante Konzepte und Ideen innerhalb der Branche der AR-Apps bestehen, aber auch dass die Zahl der enttäuschenden Umsetzungen deutlich überwiegt. Die Funktionen sind leider oft zu spezifisch, der Mehrwert zu gering. Der große Durchbruch konnte der AR-Technologie in diesem Markt also noch nicht gelingen. Für die Zukunft wären hier vor allem Anwendungen interessant, welche Arbeitsprozesse in verschiedenen Berufsgruppen und Industriezweigen erleichtern. Die Anwender könnten sich hier zusätzliche Informationen zur ihren Aufgaben oder sogar konkrete Anweisungen für den aktuellen Arbeitsschritt einblenden lassen. Dabei lohnt es sich vor allem zu verfolgen, ob dies im Rahmen nativer AR-Apps oder vielleicht sogar direkt als Einbindung in ein Wearable-Endgerät geschehen wird, welche ich Ihnen im nächsten Teil dieser Serie vorstellen möchte. Da hier also ein starkes ungenutztes Potenzial vorliegt, bleibt die Frage offen, wann und in welcher Form sich Unternehmen diese Technologie zur Optimierung ihrer Arbeitsprozesse zunutze machen werden.

AR_2

(images are under cc licence; thank you to plantronicsgermany for supplying it

 

Native AR-Apps

AR

Native AR-Apps

Die Entwicklerszene innerhalb der etablierten App-Stores boomt. Da ein großer Teil der Bevölkerung ein Smartphone besitzt, buhlen hier tausende von Entwicklern um die Gunst der Endnutzer. Und obwohl nur ein sehr geringer Teil der Apps letztlich finanziell erfolgreich endet, hoffen immer mehr Entwickler nun die entscheidende disruptive Innovation gefunden zu haben. Durch die evolutionären Entwicklungen im Bereich der AR-Technologie wird nun natürlich auch hier eine App für jede erdenkliche Lebenssituation veröffentlicht. Im Vergleich zu den AR-Browsern, die ich Ihnen im letzten Artikel dieser Serie vorgestellt habe, spezialisieren sich diese Anwendungen auf ganz bestimmte Funktionen. Ich habe mir einen Überblick über die verschiedenen Anwendungsbeispiele verschafft und möchte diese in diesem Artikel bewerten.

Der Unterschied zu AR-Browsern

Der Unterschied zwischen den nativen Apps und einem AR-Browser wird erst auf den zweiten Blick deutlich. Während die AR-Browser eine allgemeine Plattform bieten und auch auf von Nutzern generierte Funktionen zugreifen können, spezialisieren sich native AR-Apps auf einzelne Aufgaben und konkrete Situationen. Durch diese Fokussierung liefern sie ein abgeschlossenes Paket, welches eine bestimmte Nischenfunktion für sich beansprucht.

AR_3

Welche Anwendungen gibt es?

Durch die Verknüpfung von Kamera und GPS-Tracker sind AR-Anwendungen sehr gut dafür geeignet, Informationen aus der unmittelbaren Umgebung zu beschaffen oder dem Anwender bei der Orientierung zu helfen. „Google Sky Map“ erklärt dem Nutzer zum Beispiel den nächtlichen Sternenhimmel. Je nachdem wohin die Kamera zeigt, werden die passenden Informationen zu den Sternbildern und anderen Himmelsobjekten eingeblendet.

Wer sich hingegen mehr für den Luftverkehr interessiert, kann sich mit der App „Plane Finder AR“ Flugzeuge über seinem aktuellen Standpunkt anzeigen lassen. Mitgeliefert werden dabei auch die Flughöhe, Airline sowie der Abflugs- und Zielort.

Doch auch für die Orientierung am Boden gibt es mittlerweile für fast jede Lebenssituation eine passende AR-App. Für jeden der gerne wandern geht, ist die „Theodolite“ App sicherlich von Interesse. Durch den Kompass, die Karte der Umgebung und verschiedene GPS-Werkzeuge werden Höhen und Entfernungen schnell berechnet. „Fast Food Reality“ scannt die Umgebung nach nahegelegenen Fast-Food-Restaurants und blendet diese dann samt Symbol, Adresse und Entfernung auf dem Bildschirm ein.

Die App Zoom hat bereits gezeigt, dass man auch im Bereich der Bildung mittels der AR-Technik Unterstützung leisten kann. „Tod an der Mauer“ heißt eine App aus dem Hause Sprylab, die nun versucht Bildung mit Elementen der Navigation und des Spielens zu verbinden. Der Anwender lässt sich dabei durch die Innenstadt Berlins führen, um dort einerseits historische Informationen über die Zeit der DDR zu sammeln und gleichzeitig spielerisch als Journalist den den Tod eines Grenzsoldatens zu untersuchen. Die App schafft es dabei auf unterhaltsame Art und Weise Wissen zu vermitteln und den Nutzer mit Fragen der Moral und Ethik zu konfrontieren.

Haben diese Anwendungen eine Chance?

Schon nach kurzem Stöbern beim App Anbieter Ihrer Wahl werden Sie also eine riesige Auswahl an AR-Apps finden. Meist existiert für einen Anwendungsbereich bereits eine Vielzahl von ähnlichen Apps, die von verschiedenen Anbietern bereitgestellt werden. Hier gilt es also zwischen unterschiedlichen Qualitätsstufen zu unterscheiden, was aufgrund der oft manipulierten Bewertungen und der sehr knapp verfassten Rezensionen meist erst im Selbsttest möglich wird.

Von den potenziellen technischen Unzulänglichkeiten einmal abgesehen, muss man sich als interessierter Nutzer auch die Frage stellen, welche Anwendungen überhaupt sinnvoll sind. Denn viele Entwickler versuchen nun zwanghaft die AR-Technologie in ihre Anwendungen einzubauen, um auf diese Weise Interesse zu erregen. Eine App wie „Theodolite“ generiert für Wanderfreunde sicherlich langfristig einen Mehrwert, da die Technik hier ideal eingebunden werden kann. Dadurch wird nicht nur die Wahrnehmung der Umgebung, sondern sogar das gesamte Erlebnis verbessert. Eine App dieser Art hat dann auch deutlich höhere Chancen dafür, dass Nutzer bereit sind, Geld zu bezahlen. Viele andere Anwendungen verspielen dieses Potenzial jedoch wortwörtlich. Gerade im großen Markt des Gamings finden sich größtenteils Spiele, welche die AR-Elemente nur unbefriedigend einbauen. Sie hinterlassen vielleicht einen ersten unterhaltsamen Eindruck, schaffen es dabei aber nicht den entscheidenden langfristigen Reiz zu setzen, um vom Nutzer als hilfreich bewertet werden zu können.

Wir können also feststellen, dass zwar einige interessante Konzepte und Ideen innerhalb der Branche der AR-Apps bestehen, aber auch dass die Zahl der enttäuschenden Umsetzungen deutlich überwiegt. Die Funktionen sind leider oft zu spezifisch, der Mehrwert zu gering. Der große Durchbruch konnte der AR-Technologie in diesem Markt also noch nicht gelingen. Für die Zukunft wären hier vor allem Anwendungen interessant, welche Arbeitsprozesse in verschiedenen Berufsgruppen und Industriezweigen erleichtern. Die Anwender könnten sich hier zusätzliche Informationen zur ihren Aufgaben oder sogar konkrete Anweisungen für den aktuellen Arbeitsschritt einblenden lassen. Dabei lohnt es sich vor allem zu verfolgen, ob dies im Rahmen nativer AR-Apps oder vielleicht sogar direkt als Einbindung in ein Wearable-Endgerät geschehen wird, welche ich Ihnen im nächsten Teil dieser Serie vorstellen möchte. Da hier also ein starkes ungenutztes Potenzial vorliegt, bleibt die Frage offen, wann und in welcher Form sich Unternehmen diese Technologie zur Optimierung ihrer Arbeitsprozesse zunutze machen werden.

AR_2

(images are under cc licence; thank you to plantronicsgermany for supplying it

 

andere Folgen der Blogserie

Ähnliche Artikel

Wenn die morgendliche Müdigkeit dank des Schlürfens einer Mate überwunden wurde, vermag er es dank seines Psychologie-Studiums für fast jedes Problem der Kunden eine Lösung zu finden. Zwischendurch gilt es, in Sachen Pop-Culture auf dem Laufenden zu bleiben, dem Spott (oder Neid) gegen den Lieblingsverein zu trotzen und dann frei nach dem Motto „ist das Kunst oder kann das weg?“ im Blog den aktuellen Entwicklungen der neuen Medien hinsichtlich ihrer Tauglichkeit argwöhnisch auf den Zahn zu fühlen. Abends folgen auf die harten Worte des täglichen Trash-Talks auch Taten, indem die Kollegen bei einer Runde Fifa genüsslich in ihre Schranken verwiesen werden.

Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.