Wie steht es um die Zukunft des Lernens?

von Tobias Rischk — Gepostet in Bildung am 19. Dezember 2014

Im September des Jahres 2014 startete das Hasso-Plattner-Institut (HPI) in Potsdam, eine Lehrinstitution für das Studium der Informatik und Informationstechnologien, eine neue interaktive Lehr-und Lernplattform, die sich im Besonderen an Schüler richtet – open HPI Junior. Doch was kann die Plattform, was ist ihr Prinzip und welchen Mehrwert hat sie für die Klientel?

Was ist open HPI und woraus entwickelte es sich?

Um die neue Sparte Junior des HPI zu verstehen, muss zunächst einmal das Prinzip der open HPI-Plattform und deren Entwicklung erklärt werden. Das HPI entwickelte vor längerer Zeit institutsintern die Plattform tele-TASK. Dort konnten Studierende Vorlesungen per Live-Stream verfolgen, vergangene Vorlesungen über ein Archiv abrufen oder in einen Austausch mit Kommilitonen treten. Hierbei liegt der Fokus eher auf der Generierung von Wissen durch Studierende. Mit dem Aufkommen von MOOC (Massive Open Online Courses) und deren Funktionsweise überdachten die Lehrenden des HPI die Funktionalitäten ihrer Plattform und entwickelten sie 2012 quasi zu open HPI weiter.

Das 2011 von der Stanford University und ab 2012 breit umgesetzte MOOC-Prinzip ergänzte die traditionelle onlineseitige Bereitstellung von Vorlesungen oder Lehr-und Lernmaterial um den Social-Media-Aspekt. Die Lernenden treten in einen virtuellen Lernraum ein, in dem sie Wissen rezipieren, verarbeiten, anwenden und sich mit anderen Lernenden austauschen. Früher waren die Lernmanagementsysteme des klassischen e-Learnings an Institutionen gebunden, das bedeutete ein Lernmanagementsystem war nur einem ausgewählten Kreis zu einem bestimmten Zweck zugänglich. MOOC revolutionierte und öffnete dieses Paradigma. Neben der Einführung des sozialen Lernens und dem Prinzip der Weiterentwicklung von Wissen im Kollektiv schuf es eine neue Offenheit. MOOC war nun eben nicht mehr an Institutionen gebunden und war somit für jeden offen zugänglich. Der zu beobachtende positive Effekt dabei war die Interaktion zwischen Lernenden und Lehrenden, welche unvorhersehbare Lernentwicklungen innerhalb einer heterogenen Lerngruppe erzeugte.

Das Hasso-Plattner-Institut adaptierte dieses Prinzip und entwickelte open HPI. Mit den Methoden der Lernvideos, interaktiven Selbsttests, Diskussionsforen und der Anwendung innerhalb einer virtuellen Lerngemeinschaft werden hier Themen der IT-Technologie näher gebracht. Ein sechswöchiger Kurs, der von renommierten HPI Professoren geleitet wird, ist für jedermann offen und kostenlos belegbar, womit es sich von bekannten Plattformen wie Moodle nutzerfreundlich abgrenzt. Es wird ein differenzierendes Lernangebot geschaffen. Man kann sowohl grundlagenschaffende als auch fachspezifische Kursthemen wählen. Im Vergleich zu tele-TASK wird der Kurs hier didaktisch aufbereitet und begleitet. Am Ende kann ein Zertifikat erreicht werden. Praktisch alle an den Themen Interessierten stellen hier die Zielgruppe dar: Studierende, Hobbyinformatiker, Berufstätige, Weiterbildungswillige.

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open HPI Junior für Schüler und Schülerinnen

Mit open HPI Junior möchte das Institut nun eine weitere potenzielle Zielgruppe gezielter ansprechen, nämlich Schüler und Schülerinnen. Diese waren aufgrund der Komplexität der Themen in der Praxis bisher eher ausgeschlossen. Das Prinzip ist das gleiche, nur die Themensind angepasstworden. Der erste Schülerkurs beschäftigte sich mit dem Thema des Programmierens. Innerhalb des Kurses schauen sich die Angemeldeten Lernvideos an, können dann zur Sicherung des Wissens ein Quiz absolvieren und müssen zur Erreichung eines Zeugnisses Hausaufgaben einreichen, wodurch die Anwendung des Gelernten geübt wird. Dabei können sie sich jederzeit via Diskussionsforum an die anderen Kursteilnehmer oder den Lehrenden wenden.

Was open HPI Junior leisten kann

Den interessierten Schülern und Schülerinnen wird über diese neue Plattform eine alternative Form des Lernens angeboten. Anders als im Schulalltag bewegen sie sich hierbei in einem virtuellen Klassenraum, in dem sie auf andere Interessierte treffen. open HPI Junior basiert auf Freiwilligkeit, das heißt, dass die Lernenden sich selbstständig dazu bereit erklären, sich einem favorisierten Thema zu nähern. Das schafft ein Gemeinschaftsgefühl bei den Teilnehmern, was einen regen Austausch über die Chatfunktion fördert. Der Mehrwert liegt hier im sozialen Lernen. Diese Art des Lernens findet sich auch in der Schule, aber der Vorteil liegt hierbei in der Möglichkeit der Themenspezifizierung. Die Teilnehmer treffen hier in der digitalen Welt auf ebenfalls an dem Thema Interessierte.

Um einem Online-Kurs eine Lernstruktur zu geben, wurden vom HPI Funktionen wie die abzulegenden Hausaufgaben oder das Zeugnis nach Bestehen des Kurses eingebaut. Elementare Voraussetzung für die Teilnahme an den Online Kursen von open HPI Junior ist selbstredend ein PC und eine relativ schnelle Onlineverbindung, weswegen es durchaus denkbar ist, dass Interessierte an dieser Hürde scheitern. Der technische Support ist vom HPI in die Plattform integriert worden, weswegen schnelle Hilfe bei Problemen abgesichert ist.

Im Praxistest ergeben sich beinahe zwangsläufig auch noch Schwierigkeiten. Die Einführung in den Kurs und das Darstellen des Prinzips ist sehr knapp gehalten und für Schüler nicht so leicht verständlich. Den Lehrenden, die den Kurs zwar anleiten, aber keine Pädagogen sind, mangelt es für die angesprochene Klientel leider noch an didaktischen Vermittlungskenntnissen. Fachlich gut ausgebildet sind diese eher die Arbeit mit Studierenden gewohnt. Hier muss noch klientelspezifischer begleitet werden. Außerdem scheint eine gewisse Abhängigkeit von den angebotenen Themen zu bestehen. Es ist wichtig, dass eine solche Plattform auf die Bedürfnisse und Wünsche der potenziellen Nutzer eingeht und es mit den eigenen Möglichkeiten abgleicht. Über das HPI werden derzeit nur informatikbezogene Themen angeboten, aber das MOOC-Prinzip lässt sich auch auf andere Fach-und Wissensbereiche übertragen. Es stellt sich als ein sinnvolles Weiterbildungsmedium dar, durch das Schüler und Schülerinnen und, auch das ist denkbar, Lehrkräfte im digitalen Raum Förderung finden. Interessierten soll hier die Möglichkeit gegeben werden, sich neben der Schule mit favorisierten Wissensbereichen zu beschäftigen, wodurch der klassische Unterricht in der Schule sinnvoll ergänzt wird. Dafür ist es aber notwendig, dass eine solche Plattform themenspezifisch Vielfältigkeit präsentiert und mehr Interessen bedient.

Wie steht es um die Zukunft des Lernens?

Bildung

Open HPI Junior – die Zukunft des interaktiv-medialen Lernens?

Im September des Jahres 2014 startete das Hasso-Plattner-Institut (HPI) in Potsdam, eine Lehrinstitution für das Studium der Informatik und Informationstechnologien, eine neue interaktive Lehr-und Lernplattform, die sich im Besonderen an Schüler richtet – open HPI Junior. Doch was kann die Plattform, was ist ihr Prinzip und welchen Mehrwert hat sie für die Klientel?

Was ist open HPI und woraus entwickelte es sich?

Um die neue Sparte Junior des HPI zu verstehen, muss zunächst einmal das Prinzip der open HPI-Plattform und deren Entwicklung erklärt werden. Das HPI entwickelte vor längerer Zeit institutsintern die Plattform tele-TASK. Dort konnten Studierende Vorlesungen per Live-Stream verfolgen, vergangene Vorlesungen über ein Archiv abrufen oder in einen Austausch mit Kommilitonen treten. Hierbei liegt der Fokus eher auf der Generierung von Wissen durch Studierende. Mit dem Aufkommen von MOOC (Massive Open Online Courses) und deren Funktionsweise überdachten die Lehrenden des HPI die Funktionalitäten ihrer Plattform und entwickelten sie 2012 quasi zu open HPI weiter.

Das 2011 von der Stanford University und ab 2012 breit umgesetzte MOOC-Prinzip ergänzte die traditionelle onlineseitige Bereitstellung von Vorlesungen oder Lehr-und Lernmaterial um den Social-Media-Aspekt. Die Lernenden treten in einen virtuellen Lernraum ein, in dem sie Wissen rezipieren, verarbeiten, anwenden und sich mit anderen Lernenden austauschen. Früher waren die Lernmanagementsysteme des klassischen e-Learnings an Institutionen gebunden, das bedeutete ein Lernmanagementsystem war nur einem ausgewählten Kreis zu einem bestimmten Zweck zugänglich. MOOC revolutionierte und öffnete dieses Paradigma. Neben der Einführung des sozialen Lernens und dem Prinzip der Weiterentwicklung von Wissen im Kollektiv schuf es eine neue Offenheit. MOOC war nun eben nicht mehr an Institutionen gebunden und war somit für jeden offen zugänglich. Der zu beobachtende positive Effekt dabei war die Interaktion zwischen Lernenden und Lehrenden, welche unvorhersehbare Lernentwicklungen innerhalb einer heterogenen Lerngruppe erzeugte.

Das Hasso-Plattner-Institut adaptierte dieses Prinzip und entwickelte open HPI. Mit den Methoden der Lernvideos, interaktiven Selbsttests, Diskussionsforen und der Anwendung innerhalb einer virtuellen Lerngemeinschaft werden hier Themen der IT-Technologie näher gebracht. Ein sechswöchiger Kurs, der von renommierten HPI Professoren geleitet wird, ist für jedermann offen und kostenlos belegbar, womit es sich von bekannten Plattformen wie Moodle nutzerfreundlich abgrenzt. Es wird ein differenzierendes Lernangebot geschaffen. Man kann sowohl grundlagenschaffende als auch fachspezifische Kursthemen wählen. Im Vergleich zu tele-TASK wird der Kurs hier didaktisch aufbereitet und begleitet. Am Ende kann ein Zertifikat erreicht werden. Praktisch alle an den Themen Interessierten stellen hier die Zielgruppe dar: Studierende, Hobbyinformatiker, Berufstätige, Weiterbildungswillige.

julia6

open HPI Junior für Schüler und Schülerinnen

Mit open HPI Junior möchte das Institut nun eine weitere potenzielle Zielgruppe gezielter ansprechen, nämlich Schüler und Schülerinnen. Diese waren aufgrund der Komplexität der Themen in der Praxis bisher eher ausgeschlossen. Das Prinzip ist das gleiche, nur die Themensind angepasstworden. Der erste Schülerkurs beschäftigte sich mit dem Thema des Programmierens. Innerhalb des Kurses schauen sich die Angemeldeten Lernvideos an, können dann zur Sicherung des Wissens ein Quiz absolvieren und müssen zur Erreichung eines Zeugnisses Hausaufgaben einreichen, wodurch die Anwendung des Gelernten geübt wird. Dabei können sie sich jederzeit via Diskussionsforum an die anderen Kursteilnehmer oder den Lehrenden wenden.

Was open HPI Junior leisten kann

Den interessierten Schülern und Schülerinnen wird über diese neue Plattform eine alternative Form des Lernens angeboten. Anders als im Schulalltag bewegen sie sich hierbei in einem virtuellen Klassenraum, in dem sie auf andere Interessierte treffen. open HPI Junior basiert auf Freiwilligkeit, das heißt, dass die Lernenden sich selbstständig dazu bereit erklären, sich einem favorisierten Thema zu nähern. Das schafft ein Gemeinschaftsgefühl bei den Teilnehmern, was einen regen Austausch über die Chatfunktion fördert. Der Mehrwert liegt hier im sozialen Lernen. Diese Art des Lernens findet sich auch in der Schule, aber der Vorteil liegt hierbei in der Möglichkeit der Themenspezifizierung. Die Teilnehmer treffen hier in der digitalen Welt auf ebenfalls an dem Thema Interessierte.

Um einem Online-Kurs eine Lernstruktur zu geben, wurden vom HPI Funktionen wie die abzulegenden Hausaufgaben oder das Zeugnis nach Bestehen des Kurses eingebaut. Elementare Voraussetzung für die Teilnahme an den Online Kursen von open HPI Junior ist selbstredend ein PC und eine relativ schnelle Onlineverbindung, weswegen es durchaus denkbar ist, dass Interessierte an dieser Hürde scheitern. Der technische Support ist vom HPI in die Plattform integriert worden, weswegen schnelle Hilfe bei Problemen abgesichert ist.

Im Praxistest ergeben sich beinahe zwangsläufig auch noch Schwierigkeiten. Die Einführung in den Kurs und das Darstellen des Prinzips ist sehr knapp gehalten und für Schüler nicht so leicht verständlich. Den Lehrenden, die den Kurs zwar anleiten, aber keine Pädagogen sind, mangelt es für die angesprochene Klientel leider noch an didaktischen Vermittlungskenntnissen. Fachlich gut ausgebildet sind diese eher die Arbeit mit Studierenden gewohnt. Hier muss noch klientelspezifischer begleitet werden. Außerdem scheint eine gewisse Abhängigkeit von den angebotenen Themen zu bestehen. Es ist wichtig, dass eine solche Plattform auf die Bedürfnisse und Wünsche der potenziellen Nutzer eingeht und es mit den eigenen Möglichkeiten abgleicht. Über das HPI werden derzeit nur informatikbezogene Themen angeboten, aber das MOOC-Prinzip lässt sich auch auf andere Fach-und Wissensbereiche übertragen. Es stellt sich als ein sinnvolles Weiterbildungsmedium dar, durch das Schüler und Schülerinnen und, auch das ist denkbar, Lehrkräfte im digitalen Raum Förderung finden. Interessierten soll hier die Möglichkeit gegeben werden, sich neben der Schule mit favorisierten Wissensbereichen zu beschäftigen, wodurch der klassische Unterricht in der Schule sinnvoll ergänzt wird. Dafür ist es aber notwendig, dass eine solche Plattform themenspezifisch Vielfältigkeit präsentiert und mehr Interessen bedient.

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